Grundschule am Aybühlweg: Ein inklusiver Lern- und Lebensraum für das Quartier
- Zeitraum: Juni 2026
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Die neue Grundschule am Aybühlweg in Kempten zeichnet sich durch ihre markante Holzfassade und großzügige, offen gestaltete Außenräume aus. Die Architektur verbindet nachhaltige Materialität mit vielfältigen Lern- und Aufenthaltsbereichen.
Vom taktilen Leitsystem bis zum barrierefrei zugänglichen Sporthallendach: balda architekten entwickelten in Kempten einen Schulbau, der Orientierung erleichtert, Begegnung fördert und allen Nutzerinnen und Nutzern eine gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht.
Mit dem Neubau der Grundschule am Aybühlweg hat die Stadt Kempten einen zeitgemäßen Bildungsort geschaffen, der weit über die klassische Funktion einer Schule hinausgeht. Das Gebäude vereint Grundschule, Hort, Mensa, Aula und Zweifach-Sporthalle zu einem offenen Lern- und Begegnungsort für Kinder, Lehrkräfte, Familien und das gesamte Quartier. Die von balda architekten geplante Schule wurde 2025 fertiggestellt und bietet auf rund 4.255 qm Nutzfläche optimale Bedingungen für eine moderne Grundschulpädagogik.
Der Neubau reagiert auf steigende Schülerzahlen und setzt gleichzeitig neue Maßstäbe für eine inklusive, nachhaltige und zukunftsfähige Bildungsarchitektur. Seine polygonale Gebäudeform entwickelt sich aus der Topografie des Grundstücks und fügt sich in die besondere Lage zwischen Sporteinrichtungen und dem Landschaftsschutzgebiet Rottachtobel ein. Durch die differenzierte Höhenentwicklung entsteht ein markanter Baukörper mit hoher Aufenthaltsqualität und einer engen Verzahnung von Innen- und Außenräumen. Charakteristisch ist die differenziert gestaltete Holzfassade, die dem Gebäude eine lebendige Ausstrahlung verleiht und zugleich den nachhaltigen Materialansatz des Projekts sichtbar macht.
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Die Schule nutzt ihre Dachflächen nicht nur technisch, sondern auch als Freiraum. Zusammen mit der markanten Fassadenkonstruktion entsteht eine Architektur, die Lernen, Aufenthalt und Naturerfahrung miteinander verbindet.

Bereits im städtebaulichen Konzept stand die Idee eines offenen und gemeinschaftlichen Lernortes im Mittelpunkt. Der Schulhof, die Freianlagen und die begehbare Dachlandschaft der Sporthalle sind öffentlich zugänglich und fördern Begegnung, Bewegung und soziale Teilhabe auch außerhalb der Unterrichtszeiten.
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Die großzügige Aula bildet das kommunikative Zentrum der Schule und dient als Verteiler, Treffpunkt und Veranstaltungsraum.
Pädagogisches Konzept räumlich umgesetzt
Die Schule wurde konsequent auf die Anforderungen moderner Lernformen ausgerichtet. Die Unterrichtsbereiche sind in Lerncluster gegliedert; Klassenräume, Differenzierungsräume und gemeinschaftliche Lernzonen bilden überschaubare Einheiten, die individuelles Lernen ebenso unterstützen wie gemeinschaftliche Aktivitäten. Das großzügige Foyer mit Aula und Mensa fungiert als kommunikative Mitte des Hauses. Es dient als Treffpunkt, Veranstaltungsraum und Ort des Austauschs. Gleichzeitig ermöglichen die offenen Raumbeziehungen Orientierung, Transparenz und soziale Interaktion.
Durch die direkte Anbindung an Sportanlagen, Grünräume und naturnahe Freiflächen wird Lernen über das Klassenzimmer hinaus erweitert. Die Schule versteht sich als Bildungslandschaft, die Bewegung, Naturerfahrung und gemeinschaftliches Lernen fördert.
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Der Neubau nutzt die topografischen Gegebenheiten des Grundstücks und verknüpft Schule, Freiräume und Sportanlagen zu einem zusammenhängenden Bildungs- und Bewegungsraum.
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Grundriss Obergeschoss
Barrierefreiheit als selbstverständlicher Bestandteil
Ein besonderes Merkmal des Projekts ist die konsequent umgesetzte Barrierefreiheit. Ziel war nicht nur die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen, sondern die Schaffung eines Gebäudes, das von allen Menschen unabhängig von körperlichen oder sensorischen Einschränkungen gleichberechtigt genutzt werden kann. Das gesamte Gebäude wurde nach den Anforderungen der DIN 18040 geplant und ist vollständig barrierefrei erschlossen. Sämtliche Geschosse sind über einen Aufzug erreichbar, alle Nutzungsbereiche verfügen über ausreichend Bewegungsflächen, schwellenfreie Übergänge und entsprechend dimensionierte Türen. Barrierefreie Sanitäranlagen, ein Pflegebad sowie Inklusions- und Therapieräume ergänzen das Angebot.
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Vom taktilen Leitsystem im Außenraum über die kontrastreiche Orientierung im Treppenhaus bis zu großzügig dimensionierten Erschließungs- und Aufenthaltsbereichen: Die Schule wurde konsequent für eine selbstständige und gleichberechtigte Nutzung geplant.


Alle Zugänge vom öffentlichen Straßenraum bis in das Gebäude sowie sämtliche Freiflächen sind stufenlos erreichbar. Die Wegeführung wurde so gestaltet, dass sie sich selbstverständlich in die vorhandene Topografie einfügt und gleichzeitig allen Nutzergruppen offensteht. Besonders bemerkenswert ist die barrierefreie Erreichbarkeit der Dachlandschaft auf der Sporthalle. Diese fungiert nicht nur als zusätzlicher Pausen- und Aufenthaltsbereich, sondern auch als Freiluftklassenzimmer und Naturerfahrungsraum. Auch die Spielbereiche wurden inklusiv konzipiert und ermöglichen durch geeignete Beläge und barrierefreie Zugänge eine Nutzung durch Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen.
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Ein durchgängiges Orientierungssystem aus Farbkennzeichnungen, Piktogrammen, klarer Beschilderung und taktilen Informationen unterstützt die selbstständige Nutzung des Gebäudes für Menschen mit unterschiedlichen Anforderungen.


Darüber hinaus wurden zahlreiche Maßnahmen zur Orientierung und Wahrnehmung umgesetzt. Ein taktiles Leitsystem führt vom Außenraum bis in das Gebäude. Taktile Leitpläne in den Eingangsbereichen, kontrastreiche Beschriftungen und eine klare räumliche Zonierung erleichtern die Orientierung. Die Treppenanlagen verfügen über markierte Stufenkanten und durchgehende Handläufe. Für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen wurden die Raumakustik und die Sprachverständlichkeit durch absorbierende Deckenflächen optimiert. Die Alarmierung erfolgt sowohl akustisch als auch optisch, sodass unterschiedliche Nutzergruppen gleichermaßen erreicht werden können. Die Barrierefreiheit ist dabei nicht als Sonderlösung erkennbar, sondern selbstverständlicher Bestandteil des architektonischen Gesamtkonzepts.
Nachhaltigkeit ganzheitlich gedacht
Das Gebäude erfüllt den Standard eines Effizienzgebäudes 40 EE und unterschreitet die energetischen Anforderungen deutlich. Grundlage dafür ist ein ganzheitliches Energiekonzept, das auf Geothermie, Wärmepumpen mit Erdsonden und eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 87 kWp setzt. Unterstützt wird dies durch eine hochwertige Gebäudehülle, eine hybride Lüftungsstrategie mit Wärmerückgewinnung sowie den bewussten Verzicht auf eine mechanische Kühlung. Die kompakte Bauweise reduziert zusätzlich den Energiebedarf und verbessert die Ressourceneffizienz des Gebäudes.
Auch die Materialwahl folgt konsequenten Nachhaltigkeitsprinzipien. Tragende Bauteile wurden teilweise mit Recyclingbeton ausgeführt, während für Fassaden, Innenausbau und Möblierung überwiegend Holz als nachwachsender Rohstoff verwendet wurde. Dabei wurde besonderer Wert auf emissionsarme Baustoffe und eine hohe Innenraumluftqualität gelegt. Die verwendeten Holzwerkstoffe sind formaldehydfrei beziehungsweise besonders emissionsarm und tragen zu einem gesunden Lernumfeld bei.
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Das Material Holz kommt in Ausbau und Möblierung vielfältig zum Einsatz und ergänzt die ressourcenschonende Bauweise des Gebäudes
Klimaanpassung und Biodiversität
Mehr als vier Fünftel der Dachflächen wurden begrünt. Die extensiven und intensiven Dachlandschaften verbessern das Mikroklima, tragen zur Regenwasserrückhaltung bei und schaffen wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Die begehbare Dachfläche der Sporthalle verbindet ökologische Funktionen mit pädagogischem Mehrwert und wird als Aufenthaltsbereich sowie als Freiluftklassenzimmer genutzt. Ergänzt wird das Konzept durch klimaresiliente Baumarten, naturnahe Grünflächen, insektenfreundliche Saatmischungen sowie Nistmöglichkeiten für Vögel und Fledermäuse. Natur- und Umweltthemen werden dadurch zu einem sichtbaren und erlebbaren Bestandteil des Schulalltags.
Die Grundschule am Aybühlweg zeigt eindrucksvoll, wie öffentliche Bildungsbauten gesellschaftliche Zukunftsaufgaben beantworten können. Sie verbindet hochwertige Architektur mit inklusiver Nutzbarkeit, ökologischer Verantwortung und hoher Aufenthaltsqualität. Die Schule stärkt die Nachbarschaft, bietet öffentliche Freiräume und schafft vielfältige Möglichkeiten für Bewegung, Begegnung, gemeinschaftliche Nutzung und Teilhabe. Die Nähe zu Sportstätten, Schwimmbad, Kletterzentrum und Landschaftsschutzgebiet unterstützt ein gesundes, bewegungsorientiertes und naturnahes Aufwachsen der Kinder.
Text: Bettina Sigmund
Mehr über die Grundschule am Aybühlweg:
Projekt der Architektouren 2026: Besichtigung am Sa, den 27.6.2026, mehr Infos hier








