11.06.2026

Hitzeaktionstag 2026

Planen und Bauen Klimaanpassung

Projekt der Architektouren 2026: Maxplatz in Traunstein. Die Umgestaltung des Platzes stärkt durch neue Bäume und insektenfreundliche Staudenflächen das Mikroklima, fördert die Regenwasserrückhaltung und verbessert die Aufenthaltsqualität. Landschaftsarchitektur: lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München
Platz mit vielen Bäumen und Sitzgelegenheiten im Schatten

Projekt der Architektouren 2026: Maxplatz in Traunstein. Die Umgestaltung des Platzes stärkt durch neue Bäume und insektenfreundliche Staudenflächen das Mikroklima, fördert die Regenwasserrückhaltung und verbessert die Aufenthaltsqualität. Landschaftsarchitektur: lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München

Foto: Christoph Mittermüller

Die zunehmenden Temperaturen im Sommer stellen Städte und ihre Bewohner vor eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Asphaltierte Flächen, verdichtete Bebauung und mangelndes Grün verstärken die Überhitzung. Dies hat erhebliche Folgen für Gesundheit, Aufenthaltsqualität und Energieverbrauch. Aber es gibt bereits viele wirksame Maßnahmen. Zwei Publikationen des Projekts "Grüne Stadt der Zukunft" zeigen, wie sich Hitzeschutz strategisch in Planung und Entwurf integrieren lässt, von der Stadtstruktur bis ins Detail der Gebäudehülle.

Vergleichsauswertung von Wetterdaten das DWD für die Stadt München

Vergleichsauswertung von Wetterdaten das DWD für die Stadt München

Foto: www.klimadashboard.de

Natürliche Maßnahmen durch den Baumbestand

Stadtbäume sind weit mehr als gestalterisches Grün. Durch Verschattung und Verdunstung können sie Luft- und gefühlte Temperaturen um mehrere Grad senken und damit urbane Hitzeinseln spürbar entschärfen. Besonders wirksam sind alte, großkronige Bäume. Sie reduzieren nicht nur den Hitzestress im Freiraum, sondern senken auch den Kühlbedarf von Gebäuden, indem sie Fassaden verschatten. Gleichzeitig verbessern sie Luftqualität, Lärmschutz und Biodiversität. In der Planung werden diese alten Bäume oft unterschätzt. Entscheidend für gesunde Bäume sind ausreichend große Wurzelräume, eine gute Wasserversorgung und durchdachte Standorte. Ein verbreitetes Problem ist jedoch die Bodenverdichtung und Flächenkonkurrenz z.B. etwa durch Tiefgaragen. Ein besonders kritischer Aspekt ist der Verlust von Bestandsbäumen der sich kurzfristig kaum kompensieren lässt. Neupflanzungen benötigen Jahrzehnte, um eine vergleichbare Leistung zu erreichen.

Die Wirkung von Grün hängt jedoch auch stark von seiner Anordnung ab. Strategisch gesetzte Baumgruppen können Hitze-Hotspots entschärfen und stark frequentierte öffentliche Räume wie Plätze, Wege und Spielbereiche komfortabler machen. Gleichzeitig gilt es, Zielkonflikte zu berücksichtigen: Zu dichte Bepflanzung kann die nächtliche Durchlüftung behindern und Wärmestau verursachen. Deshalb empfiehlt sich ein abgestimmtes Nebeneinander von Baumgruppen und offenen Grünflächen, die nachts eine bessere Abkühlung ermöglichen. Stadtgrün wird damit zu einer präzisen Planungsaufgabe: Es geht nicht um möglichst viel, sondern um das richtige Grün am richtigen Ort.

Maßnahmen an Gebäude

Neben dem Freiraum spielt die Architektur selbst eine zentrale Rolle. Viele effektive Maßnahmen müssen bereits in frühen Planungsphasen angesetzt werden und kommen dabei oft ohne energieintensive Technik aus.

  1. Verschattung und Gebäudehülle Außenliegende Verschattungselemente wie Lamellen, Markisen oder Auskragungen sind deutlich wirksamer als innenliegende Lösungen. Sie verhindern, dass Sonnenstrahlung überhaupt ins Gebäude gelangt.
  2. Dach- und Fassadenbegrünung Begrünte Dächer und Fassaden wirken gleich doppelt: Sie verschatten und kühlen durch Verdunstung. Dachbegrünungen können die Oberflächentemperatur erheblich senken und die Innenräume um mehrere Grad abkühlen. Auch Fassadenbegrünungen reduzieren nicht nur die Bauteiltemperatur, sondern beeinflussen das Mikroklima direkt im Straßenraum positiv.
  3. Natürliche Lüftung Querlüften und vor allem Nachtlüften gehören zu den effektivsten passiven Kühlstrategien. Sie nutzen Temperaturunterschiede ohne zusätzlichen Energieeinsatz und verbessern gleichzeitig den thermischen Komfort. Eine geeignete Grundrissplanung ist hierfür notwendig.
  4. Baumbestand integrieren Auch im Neubau gilt: Bestehende Bäume sollten in die Planung integriert werden. Sie sind kurzfristig wirksamer als jede Neupflanzung und erhöhen die Qualität des Wohnumfelds unmittelbar.

Hitzeschutz auf Quartiersebene

Hitzeschutz funktioniert nicht isoliert. Gebäude, Freiräume und Infrastruktur müssen zusammengedacht werden. Ein resilientes Quartier zeichnet sich durch ein Netzwerk aus grünen und blauen Elementen aus, z.B. Straßenrandbäume, Parks, begrünte Dächer, entsiegelte Flächen und Wasserspeicher. Gerade in rasant wachsenden Städten ist dies eine planerische Herausforderung. Nachverdichtung, Stellplatzanforderungen und ökonomischer Druck stehen häufig im Konflikt mit klimaangepassten Lösungen. Diese Zielkonflikte lassen sich durch frühzeitige Planung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und intelligente Flächenstrategien deutlich verringern.

Hitzeschutz als Aufgabe für alle Planenden

Der Umgang mit Hitze ist zu einer zentralen Entwurfsaufgabe geworden. Bäume, Begrünung und passive Gebäudestrategien sind integrale Bestandteile guter Architektur. Wer heute plant, gestaltet nicht nur Räume, sondern auch mikroklimatische Bedingungen. Die Qualität zukünftiger Städte wird entscheidend davon abhängen, wie konsequent dieser Ansatz umgesetzt, und als Zusammenspiel von Natur und gebauter Umwelt präzise, vorausschauend und langfristig gedacht wird.

In einer Erstberatung bei der Beratungsstelle Energieeffizienz und Nachhaltigkeit (BEN) hinaus können Sie sich zum klimagerechten und -angepassten Planen, Bauen und Sanieren von Gebäuden kostenfrei und neutral beraten lassen. Diese Beratungen umfassen die Bereiche des nachhaltigen Planens und Bauens sowie der Klimaanpassungsmaßnahmen für Gebäude, Außenbereiche und Freiflächen und haben Nachhaltigkeit, Klimaschutz und -anpassung sowie Artenschutz für das einzelne Objekt aber auch den größeren Zusammenhang im Blick. Die BEN bietet keine reinen Hitzeschutzberatungen, Produktinformationen oder Beratungen zu isolierten Einzelmaßnahmen. Gegebenenfalls ist es sinnvoll zu spezifischen projektbezogenen Fragen weitere Fachleute mit einzubeziehen.

Text: Beratungsstelle Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

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