Gute Beispiele finden: Barrierefreiheit bei den Beispielhaften Bauten
Planen und Bauen
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Die Projektsuche „Beispielhafte Bauten“ bündelt qualitätsvolle Beispiele für barrierefreies Bauen. Von links: Katrin Schmitt-Pütz, Markus Donhauser und Thomas Lenzen. (Collage: ByAK / Landesfachstelle Barrierefreiheit)
Wie wird Barrierefreiheit zu einem selbstverständlichen Bestandteil guter Architektur? Die Datenbank „Beispielhafte Bauten“ der Bayerischen Architektenkammer zeigt Projekte, die über Standards hinausgehen und qualitätsvolle Lösungen sichtbar machen.
Wer barrierefrei planen oder bauen möchte, braucht vor allem eines: gute Beispiele. Denn viele Qualitäten von Architektur lassen sich erst im gebauten Raum wirklich verstehen. Wie funktioniert Orientierung? Wie werden Wege genutzt? Wo entstehen selbstverständliche Übergänge, und wo entstehen Hürden? Entscheidend ist nicht allein die normgerechte Umsetzung einzelner Maßnahmen, sondern die Qualität des Gesamtkonzepts.
Mit den „Beispielhaften Bauten“ macht die Bayerische Architektenkammer solche Projekte sichtbar. In der Datenbank sind ausgewählte Bauprojekte aus ganz Bayern versammelt – von Bildungsbauten über Wohnungsbau bis hin zu öffentlichen Einrichtungen und Freiräumen. Die Projekte lassen sich gezielt nach Themen und Qualitäten durchsuchen, darunter Nachhaltigkeit, Energieeffizienz oder Barrierefreiheit. Ziel ist es nicht allein, Projekte zu dokumentieren, sondern Wissen weiterzugeben und gute Lösungen sichtbar zu machen.
Von Energieeffizienz zu einem ganzheitlichen Qualitätsverständnis
Die Barrierefreiheit stand nicht von Anfang an im Mittelpunkt. Die Projektdatenbank entstand ursprünglich aus einem anderen Gedanken heraus. Die für die Datenbank und deren Ausbau verantwortliche Referentin der Architektenkammer Katrin Schmitt beschreibt die Anfänge:
„Der Impuls für die Projektdatenbank entstand bereits vor mehr als zehn Jahren in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. Ziel war es zunächst, herausragende energieeffiziente Bauprojekte in Bayern sichtbar zu machen und als Vorbilder zu präsentieren.“
Mit der Zeit entwickelte sich jedoch auch das Verständnis davon weiter, was qualitätvolles Bauen eigentlich bedeutet. Wie sich dieser Blick verändert hat, beschreibt Schmitt so:
„Nachhaltigkeit wird heute ganzheitlicher verstanden. Daher hat die Bayerische Architektenkammer 2023 unter ihrem Leitmotiv KlimaKulturKompetenz neben Energieeffizienz zusätzliche Aspekte wie Barrierefreiheit, Flächensparen, Klimaanpassung sowie weitere Aspekte der Nachhaltigkeit etabliert. Auch der Umgang mit dem Bestand spielt eine zentrale Rolle.“
Die Erweiterung um den Schwerpunkt Barrierefreiheit und die faktenbasierte erweiterte Darstellung der Projekte war deshalb ein folgerichtiger Schritt. Auch, weil sich aus der Arbeit der Landesfachstelle ein konkreter Bedarf ergeben hat. Thomas Lenzen, Geschäftsführer Bereich Architektur und Technik der Architektenkammer und damit für die Landesfachstelle Barrierefreiheit verantwortlich, erklärt:
„Im Kontext der Landesfachstelle Barrierefreiheit werden wir regelmäßig nach guten Beispielprojekten gefragt, die aufzeigen, wie Barrierefreiheit qualitativ hochwertig und für alle gewinnbringend realisiert werden kann. Die Sammlung soll deshalb nicht nur gute Architektur zeigen, sondern als Inspirations- und Wissensquelle dienen.“
Die beispielhaften Bauten richten sich an Planende, Kommunen und Bauherrschaften ebenso wie an Interessierte, die sich allgemein mit barrierefreiem Bauen beschäftigen. Dabei geht es bewusst um mehr als die Einhaltung gesetzlicher Mindeststandards.
„In der Kategorie Barrierefreiheit werden Projekte präsentiert, die über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen und durch innovative, gestalterisch hochwertige Lösungen überzeugen“,
erläutert Katrin Schmitt.
Gute Beispiele brauchen gute Kriterien
Damit die Datenbank mehr ist als eine Sammlung gelungener Einzelprojekte, wurde ein umfassender Auswahl- und Prüfprozess entwickelt. Hinter jedem veröffentlichten Projekt steht eine mehrstufige Qualitätssicherung. Die Grundlage dafür bilden Kriterien, die interdisziplinär entwickelt wurden. Fachberaterinnen und Fachberater der Landesfachstelle Barrierefreiheit arbeiteten dabei gemeinsam mit weiteren Expertinnen und Experten aus Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung zusammen. Ziel war es, Kriterien zu entwickeln, die nicht nur fachlich belastbar sind, sondern auch die praktische Realität von Planung berücksichtigen. Thomas Lenzen betont:
„Die Qualitätssicherung der gezeigten Projekte ist uns besonders wichtig. Daher werden alle Daten und Texte mehrfach geprüft und hinterfragt.“
Projekte, die bereits im Rahmen der Architektouren Angaben zur Barrierefreiheit machen, werden zunächst fachlich geprüft. Erhält ein Projekt das Prädikat „barrierefrei“ und ist bei den Architektouren dabei, dann sind für die Aufnahme in die „Beispielhaften Bauten“ anschließend weitere Informationen notwendig, darunter Pläne, Fotos und vertiefende Angaben zur Umsetzung. Lenzen beschreibt diesen Prozess als bewusstes Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven:
„Durch diese kaskadenartige Betrachtung der Projekte ist eine enge Verzahnung zwischen der fachlichen Ausarbeitung der Planenden, der Expertenprüfung zur Qualitätssicherung und der Freigabe zur Veröffentlichung gewährleistet.“
Wenn Barrierefreiheit selbstverständlich wird
Welche Projekte schließlich aufgenommen werden, entscheidet sich nicht allein an einzelnen Maßnahmen. Vielmehr geht es um die Frage, wie selbstverständlich Barrierefreiheit Teil des architektonischen Konzepts geworden ist. Markus Donhauser, Berater der Landesfachstelle Barrierefreiheit und Sprecher des Beraterteams, beschreibt die Kriterien:
„Um hinsichtlich der Barrierefreiheit in die Beispielhaften Bauten aufgenommen zu werden, muss die ausgeführte Barrierefreiheit entweder über das ohnehin erforderliche Maß hinausgehen, besonders gelungen in die Gesamtgestaltung integriert sein oder beim Bauen im Bestand eine signifikante Verbesserung der vorhandenen Situation hergestellt haben.“
Besonders überzeugend seien Projekte, die Barrierefreiheit nicht als Zusatz oder technische Anforderung behandeln.
„Projekte, in denen die umgesetzte Barrierefreiheit selbstverständlich funktioniert, ohne dabei besonders augenfällig in Erscheinung zu treten, überzeugen regelmäßig am meisten“,
so Donhauser. Gerade im Detail zeige sich oft, wie früh und sorgfältig Barrierefreiheit in die Planungsprozesse integriert wurde:
„Die Anforderungen an Treppen und deren Handläufe erfordern eine sehr genaue Planung und frühzeitige Berücksichtigung des notwendigen Platzbedarfes.“
Auch die Orientierung für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen sei häufig anspruchsvoll:
„Die gelungene Integration der Maßnahmen für Blinde ist eine schwierige Aufgabe – umso beispielhafter sind hier Bauten, die eine gute taktile Orientierung erlauben.“
Eine Plattform, die weiterwächst
Die Projektdatenbank versteht sich nicht als abgeschlossenes Archiv. Mit neuen Projekten wächst auch das Wissen darüber, wie Barrierefreiheit in unterschiedlichen Maßstäben und Zusammenhängen umgesetzt werden kann. Die nächsten Erweiterungen sind bereits in Vorbereitung:
„Die Projekte der Architektouren aus dem Auszeichnungsjahr 2025 wurden bereits im Hinblick auf die beispielhafte Barrierefreiheit bearbeitet“,
sagt Markus Donhauser.
„Hier kann die Datenbank also bald mit aktuellen Projekten erweitert werden.“
So entsteht Schritt für Schritt nicht nur eine Sammlung gelungener Beispiele, sondern eine wachsende Wissensplattform. Die Projektsuche der Bayerischen Architektenkammer ist zugleich Archiv und Schaufenster der Baukultur. Sie ist aber auch ein praktisches Werkzeug für Planung, Beratung und Weiterbildung. Architektinnen und Architekten, Kommunen, Bauherrschaften und Interessierte können hier konkrete Beispiele entdecken, die zeigen, wie selbstverständlich Barrierefreiheit Teil guter Architektur wird. Für die Landesfachstelle Barrierefreiheit ist die Datenbank deshalb auch eine wertvolle Referenz: Sie liefert konkrete Beispiele, an denen sich Planung und Beratung orientieren können – und macht sichtbar, wie Inklusion in der gebauten Umwelt umgesetzt werden kann.
Text: Bettina Sigmund
Beispielhafte Bauen:
https://www.byak.de/planen-und-bauen/projektsuche-alle-projekte/trefferliste.html

