07.07.2026

Blind oder sehbehindert unterwegs: Wie moderne Apps die Navigation erleichtern

Digitale Barrierefreiheit

Für viele Menschen ist es selbstverständlich, sich mit dem Smartphone durch unbekannte Städte navigieren zu lassen. Wer jedoch blind oder sehbehindert ist, steht im Alltag vor besonderen Herausforderungen.

Die eingeblendeten Karten können meist nicht genutzt werden und die Angaben der gängigen Apps sind für Menschen mit Sehbehinderung meist zu ungenau. Dank moderner Technologien und speziell entwickelter Apps wird die selbstständige Mobilität heute deutlich erleichtert.

Ina Fischer, freie Beraterin für die Belange der Menschen mit Sehbehinderung und blinde Menschen bei der Landesfachstelle Barrierefreiheit, stellt ihre Lieblings-Apps vor und berichtet, welche Anwendungen sie im Alltag bevorzugt.

Apps für barrierefreie Navigation können Blinde und Sehbehinderte im Alltag unterstützen und unabhängige Teilhabe ermöglichen
Frau mit Blindenlangstock und Mobiltelefon in der Hand, die auf einem Bürgersteig in einer Stadt geht. Reflektion der Frau in einem Schaufenster zeigt ihre Bewegung und Orientierung im urbanen Umfeld.

Apps für barrierefreie Navigation können Blinde und Sehbehinderte im Alltag unterstützen und unabhängige Teilhabe ermöglichen

Foto: Privat

Digitale Helfer für mehr Selbstständigkeit

Smartphones sind längst zu wichtigen Begleitern im Alltag geworden. Mit eingebauten Sprachein- und Ausgabefunktionen wurde die Grundlage für mehr Selbständigkeit für Blinde und Sehbehinderte geschaffen.

Die GPS-Technologie bietet eine solide Grundlage für barrierefreie Navigation.

Meine bevorzugten Apps dafür sind:

  • Google Maps: Bietet umfangreiche Sprachführung und Unterstützung bei der Navigation im öffentlichen Raum. Es bietet die Möglichkeit, sich schon vor Beginn eines Weges, sich die einzelnen Wegabschnitte ansagen zu lassen und so die gesamte Strecke schon einmal im Vorfeld zu erkunden.
  • Apple Karten: Barrierefreie Navigation mit Sprachansagen und guter Integration in iOS-Hilfsfunktionen.

Spezielle Apps müssen dennoch zusätzlich gezielt eingesetzt werden, um blinde und sehbehinderte Menschen bei der Orientierung und Mobilität zielführender zu unterstützen.

Meine wichtigsten Apps im Überblick

  • Lazarillo: Akustische Navigation mit Informationen zu Straßen, Geschäften, Haltestellen und Orientierungspunkten.
  • BlindSquare: GPS-basierte Orientierung für iPhone-Nutzer mit umfangreichen Standortinformationen.
  • Voicevista: GPS-basierte App für die Erkundung der Umgebung und zum Aufzeichnen von Routen.
  • Seeing AI: Microsoft-App zur Erkennung von Texten, Personen, Produkten und Umgebungen mithilfe künstlicher Intelligenz.

Diese Kombination aus modernen Navigations-Apps und den speziellen Apps für Blinde und Sehbehinderte ermöglichen eine präzise Routenführung zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Straßenverkehr. Nutzer erhalten Sprachansagen in Echtzeit und können sich sicher durch unbekannte Umgebungen bewegen. Dabei wird unter anderem auf folgende Funktionen großen Wert gelegt:

  • Ansage von Straßennamen und Kreuzungen
  • Warnungen vor Hindernissen oder Baustellen
  • Informationen zu Ampeln und Fußgängerüberwegen
  • Unterstützung bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel
  • Orientierung innerhalb großer Gebäude oder Bahnhöfe

Mehr Sicherheit im Alltag

Neben der Orientierung spielt auch die Sicherheit eine wichtige Rolle. Durch präzisere Standortbestimmung und intelligente Umgebungsanalyse können Gefahren frühzeitig erkannt werden. Dies stärkt die Selbstständigkeit und fördert die gesellschaftliche Teilhabe.

Fazit

Apps wie Lazarillo, BlindSquare, Seeing AI oder Voicevista zeigen eindrucksvoll, wie moderne Technologie Barrieren abbauen kann. Sie ersetzen weder den Blindenlangstock noch eine Mobilitätsschulung, stellen jedoch wertvolle Hilfsmittel dar, die den Alltag erleichtern und mehr Unabhängigkeit ermöglichen. Mit jeder neuen technologischen Entwicklung wird die Welt ein Stück zugänglicher und inklusiver. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die Nutzung von Apple-Geräten und legt keinen Wert auf Vollständigkeit. Ich habe mich dabei auf meine persönlichen Vorlieben und Erfahrungen bezogen. Der Markt entwickelt sich hier sehr schnell weiter, sodass es immer gut ist, sich über die Portale von Selbsthilfeverbänden wie dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband zu informieren.

Text: Ina Fischer

Ina Fischer, selbst blind, ist freie Beraterin für die Belange der Menschen mit Sehbehinderung und blinde Menschen. Mehr Infos finden Sie hier auf der Seite: Ina Fischer