24.09.2026

Audiodeskription für Videos: Regeln und praktische Tipps

Digitale Barrierefreiheit

Stiftung Pfennigparade (erstellt mithilfe von KI)
Laptop auf einem Tisch mit Video vom Oktoberfest. Daneben ist ein Kopfhörersymbol und eine Audispur zu sehen.

Stiftung Pfennigparade (erstellt mithilfe von KI)

Audiodeskription für Videos: Regeln und praktische Tipps

Eine Audiodeskription beschreibt wichtige Bildinhalte eines Videos mit Worten. Sie ergänzt den Originalton, damit blinde und sehbehinderte Menschen auch Informationen erhalten, die ausschließlich im Bild zu sehen sind. Dazu gehören etwa Handlungen, eingeblendete Texte oder der Wechsel an einen anderen Ort.

Oft reichen wenige gezielte Ergänzungen. Entscheidend ist, was beim bloßen Zuhören fehlt. Wer Audiodeskription schon bei der Planung berücksichtigt, kann viele dieser Informationen direkt in den gesprochenen Text aufnehmen.

Wann ein Video eine Audiodeskription braucht

Ein Name erscheint am unteren Bildrand. Eine Person zeigt einen Arbeitsschritt, ohne ihn zu erklären. Eine Grafik veranschaulicht eine Entwicklung. Bleiben solche Informationen ohne Bild unverständlich, müssen sie auch hörbar vermittelt werden. Das gilt ebenso für Gesten oder Gesichtsausdrücke, wenn sie für die Aussage einer Szene wichtig sind.

Enthält die vorhandene Tonspur bereits alle wesentlichen Bildinformationen, ist keine zusätzliche Audiodeskription nötig. Bei einem Interview kann das der Fall sein, wenn die sprechende Person vorgestellt wird und keine weiteren wichtigen Informationen ausschließlich im Bild erscheinen. Allein die Tatsache, dass viel gesprochen wird, reicht dafür nicht aus.

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2 behandeln Audiodeskription für aufgezeichnete Videos mit Ton auf Stufe AA. Ein Transkript des gesprochenen Textes ersetzt sie nicht.

Auf Stufe A kann bei der Audiodeskription oder Textalternative auch eine vollständige Textalternative genügen, die zusätzlich die wichtigen visuellen Inhalte und Geräusche in ihrer Abfolge wiedergibt.

Eine besondere Ausnahme betrifft Videos, die ausschließlich eine andere Darstellungsform eines bereits zugänglichen Textes sind: Sie dürfen keine zusätzlichen Informationen enthalten und müssen eindeutig als Alternative zu diesem Text gekennzeichnet sein. Dass neben dem Video ein Text steht, begründet für sich genommen noch keine Ausnahme. Für Videos ohne Ton und für Liveübertragungen gelten andere Anforderungen.

Regeln für eine gute Audiodeskription

Orientierung bieten die gemeinsamen Audiodeskriptionsregeln von ARD, ZDF, ORF und SRF auf der ZDF-Website. An ihrer Erarbeitung sind unter anderem der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), Hörfilm e. V. und weitere Fachleute beteiligt. Für die redaktionelle Arbeit sind besonders diese Punkte hilfreich:

  • Benennen Sie, wer handelt, wo die Szene spielt und was geschieht. Führen Sie wichtige Personen rechtzeitig und mit wiedererkennbaren Merkmalen ein.
  • Beschreiben Sie Sichtbares möglichst konkret. „Sie presst die Lippen zusammen“ lässt mehr Raum für eine eigene Deutung als „Sie ist wütend“.
  • Schreiben Sie in der Gegenwart und in gut verständlichen Sätzen. Formulierungen wie „Man sieht“ sind meist überflüssig.
  • Ergänzen Sie Informationen zum passenden Zeitpunkt. Nehmen Sie nichts vorweg, was das Bild erst später verrät.
  • Nutzen Sie Sprechpausen. Wichtige Geräusche sollen hörbar bleiben; auch Musik und Stille gehören zum Erleben eines Films.
  • Lesen Sie relevante Einblendungen vor, etwa Namen, Hinweise und fremdsprachige Untertitel. Auch Farben können bedeutsam sein.
  • Stimmen Sie Stimme und Sprechtempo auf das Video ab. Die Beschreibung muss deutlich zu verstehen sein und sich gut in den Originalton einfügen.

Die Auswahl richtet sich nach Inhalt und Gestaltung des Videos. Ein Logo sollte benannt werden, wenn es eine wichtige Information vermittelt, etwa wer ein Angebot verantwortet. Eine ausführliche Beschreibung seiner Form ist dafür nicht immer nötig.

Audiodeskription frühzeitig einplanen

Bei Erklärvideos oder Präsentationen lässt sich vieles bereits im Manuskript lösen. Wer beispielsweise eine Schaltfläche zeigt, kann deren Beschriftung und Funktion direkt nennen. „Wählen Sie unten rechts die Schaltfläche Antrag absenden“ ist auch ohne Blick auf den Bildschirm verständlich. Weitere Beispiele enthalten die W3C-Empfehlungen zur Planung und Erstellung von Bildbeschreibungen (englisch).

Für eine nachträgliche Audiodeskription werden zunächst die fehlenden Bildinformationen und geeignete Sprechpausen erfasst. Danach wird der Beschreibungstext formuliert und probeweise zum Video gesprochen. So zeigt sich, ob die Angaben verständlich sind und in die vorgesehenen Zeitfenster passen. Diesen Ablauf erläutern die Hinweise von Hörfilm e. V. zur Erstellung von Audiodeskriptionen.

Reichen die Pausen nicht aus, kann eine erweiterte Audiodeskription helfen: Das Video wird für zusätzliche Beschreibungen angehalten und anschließend fortgesetzt. Diese Form behandeln die WCAG gesondert in Erfolgskriterium zur erweiterten Audiodeskription (englisch) auf Stufe AAA. Sie kann auch praktisch sinnvoll sein, wenn sich wichtige Informationen sonst nicht unterbringen lassen.

Ein Beispiel vom Oktoberfest

Das Video „Oktoberfest und Oide Wiesn“ auf München barrierefrei zeigt, wie einzelne Bildbeschreibungen ein Informationsvideo ergänzen. Die hinterlegten Beschreibungen benennen unter anderem die Logos von „Bayern barrierefrei“ und „Toilette für Alle“. Sie geben außerdem einen Hinweis zur Nutzung reservierter Tische wieder und beschreiben eine Person im Rollstuhl beim Kegeln.

Gerade beim Kegeln wird deutlich, wozu eine Bildbeschreibung dienen kann: Sie hilft, ein Geräusch der sichtbaren Handlung zuzuordnen. Ist ein Geräusch bereits eindeutig, muss es nicht noch einmal beschrieben werden.

Die Website verwendet den Able Player und stellt die Bildbeschreibungen als Textdatei bereit. Der Player unterstützt deren Wiedergabe per Sprachausgabe. In seinen Einstellungen lässt sich auch festlegen, dass das Video während einer Beschreibung pausiert. Die Able-Player-Dokumentation zu Sprachausgabe und automatischen Pausen (englisch) erläutert diese Funktionen.

Audiodeskription zugänglich anbieten

Eine Audiodeskription kann bereits Teil der normalen Tonspur sein, als zusätzliche Tonspur angeboten werden oder in einer eigenen Videofassung enthalten sein. Welche Lösung passt, hängt auch vom verwendeten Player ab. Eine separate Fassung sollte direkt beim ursprünglichen Video mit einem eindeutigen Link wie „Video mit Audiodeskription“ erreichbar sein. Die Anforderungen an Einbindung und Inhalt beschreibt der BIK-Prüfschritt „Audiodeskription für Videos“.

Prüfen Sie die fertige Einbindung: Lässt sich die Audiodeskription finden und aktivieren? Funktioniert das mit der Tastatur und mit einem Screenreader? Sind Originalton und Beschreibung gut zu verstehen? Audiodeskription ist dabei ein Bestandteil barrierefreier Videos. Untertitel und ein zugänglicher Player erfüllen weitere Aufgaben. Mehr zur Bedienbarkeit erfahren Sie in unserem Beitrag über barrierefreie Videoplayer bei der Landesfachstelle Barrierefreiheit.

So prüfen Sie die Qualität

Für einen ersten redaktionellen Check kann eine Person, die das Video noch nicht kennt, zunächst nur zuhören und unklare Stellen notieren. Vergleichen Sie anschließend Bild und Ton. Diese Fragen helfen dabei:

  • Sind Handlung, Personen und Ortswechsel nachvollziehbar?
  • Werden wichtige Texte, Grafiken und Einblendungen hörbar vermittelt?
  • Passen die Beschreibungen zeitlich zum Geschehen, ohne wichtige Toninformationen zu überdecken?
  • Ist die Audiodeskription in der veröffentlichten Fassung leicht auffindbar und bedienbar?

Für eine fundierte Qualitätsprüfung sollten qualifizierte blinde oder sehbehinderte Autorinnen und Autoren beteiligt sein, möglichst schon bei der Erstellung. Sie können beurteilen, ob die Beschreibung zusammen mit dem Originalton ein stimmiges Bild vermittelt. Ein eigener Hörcheck ist dafür ein erster Schritt; die fachliche Abnahme durch ein Team mit sehender und blinder beziehungsweise sehbehinderter Perspektive gehört zur sorgfältigen Produktion. Die Zusammenarbeit erläutert auch der ARD-Beitrag zur Produktion von Sendungen mit Audiodeskription.

Weiterführende Informationen

Einen Einstieg in die Umsetzung bieten die Praxistipps zur Audiodeskription von BIK für Alle und der Leitfaden für barrierefreie Videos von Aktion Mensch.

Text: Stiftung Pfennigparade