22.07.2026

8. BIM Salon: Kuratieren statt Generieren - Neue Entwurfskompetenz im Zeitalter der KI

Veranstaltungen Künstliche Intelligenz BIM

Wie verändert KI den Entwurfsprozess und welche Rolle bleibt den Planenden? Während generative KI in kürzester Zeit zahlreiche Varianten erzeugt, verschiebt sich der Entwurf vom Entwickeln einzelner Ideen hin zur gezielten Auswahl, Bewertung und Weiterentwicklung. Entwerfen heißt mehr denn je: vergleichen, verwerfen, entscheiden.

Eindrücke des Abends

Fotograf: Johannes Müller

Kuratieren statt Generieren: Warum die Rolle der Architekt:innen im Zeitalter der KI an Bedeutung gewinnt

Künstliche Intelligenz verändert die Planungswelt mit hoher Geschwindigkeit. Neue Anwendungen versprechen effizientere Prozesse, schnellere Analysen und eine scheinbar unbegrenzte Fähigkeit, Informationen auszuwerten und Entwurfsvarianten zu erzeugen. Schnell entsteht dabei die Frage, ob die klassische Rolle von Architekt:innen künftig überhaupt noch benötigt wird.

Die Diskussion beim 8. BIM-Salon der Bayerischen Architektenkammer führte jedoch zu einer anderen Schlussfolgerung: Nicht trotz, sondern gerade wegen der zunehmenden Verfügbarkeit von KI wächst die Bedeutung architektonischer Kompetenz. Unter dem Titel „Kuratieren statt Generieren – Neue Entwurfskompetenz im Zeitalter der KI“ wurde deutlich, dass die Zukunft der Planung nicht in der Automatisierung architektonischer Entscheidungen liegt, sondern in deren qualifizierter Steuerung.

Neue Werkzeuge erfordern neue Kompetenzen

Die eigentliche Frage lautet nicht, ob KI künftig Planungsprozesse beeinflussen wird. Das tut sie bereits. Entscheidend ist vielmehr, wer in der Lage ist, die neuen technologischen Möglichkeiten sinnvoll einzusetzen und daraus einen Mehrwert für Projekte zu schaffen.

Denn Qualität entsteht nicht durch Technologie allein. Zwischen den Anforderungen einer Bauaufgabe, den Besonderheiten eines Ortes, den Erwartungen der Bauherrschaft, rechtlichen Rahmenbedingungen, Nachhaltigkeitszielen und den Möglichkeiten digitaler Werkzeuge braucht es Menschen, die Zusammenhänge verstehen, Prioritäten setzen und Verantwortung übernehmen.

Genau darin liegt die besondere Kompetenz von Architektinnen und Architekten. Sie verbinden technische, gestalterische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Anforderungen zu einer ganzheitlichen Lösung. Diese Fähigkeit wird im Zeitalter der KI nicht weniger wichtig, sondern zur zentralen Voraussetzung für qualitätsvolle Planung.

Von der Ausbildung in die Praxis

Wie diese Entwicklung bereits heute aussieht, zeigte Mauritz Lüps, Architekt, Stadtplaner und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität München. Gemeinsam mit Studierenden wurden Ansätze vorgestellt, die den Umgang mit KI als Bestandteil einer zukünftigen Planungskompetenz verstehen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie Entwerfen, Bewerten und Entscheiden unter den Bedingungen intelligenter Werkzeuge neu gedacht werden können.

An konkreten Beispielen wurden drei Anwendungsfelder vorgestellt, die gegenwärtig besonders stark an Bedeutung gewinnen. Das erste betraf den Einsatz von KI im Entwurfsprozess, insbesondere in der Bild- und Grafikarbeit. Hier dienen KI-Systeme nicht lediglich zur Erzeugung von Bildern, sondern als Werkzeuge für einen iterativen, vergleichenden und explorativen Entwurfsprozess. Studierende präsentierten dazu Projekte, die von räumlichen Analysen über Simulationen bis hin zu experimentellen Gestaltungsansätzen reichten.

Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der Projektorganisation. KI unterstützt zunehmend bei der Strukturierung von Informationen, beim Wissensmanagement und bei der Organisation komplexer Planungsabläufe. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten, insbesondere für kleine und mittlere Büros, anspruchsvolle Projekte effizient zu bearbeiten.

Der dritte Themenblock widmete sich der Verbindung von KI mit CAD-Systemen und der BIM-Methodik. Dabei wurde sichtbar, wie digitale Modelle künftig zu aktiven Wissens- und Entscheidungsplattformen werden können, in denen Informationen nicht nur dokumentiert, sondern analysiert und weiterverarbeitet werden.

Verantwortung bleibt beim Menschen

Wo neue technische Möglichkeiten entstehen, stellen sich zwangsläufig auch rechtliche Fragen. Diese Perspektive brachte Leopold Beer, Rechtsreferendar und Doktorand im Bereich KI-, Datenschutz- und Plattformrecht, in die Diskussion ein. Seine juristischen Einordnungen begleiteten die vorgestellten Anwendungsfälle und beleuchteten unter anderem die Themen KI-Verordnung, Urheberrecht, Haftung und Datenschutz.
Damit schloss sich letztlich der Kreis zum Titel der Veranstaltung.

Es verblieb die Erkenntnis, dass die menschliche Bearbeitung und Weiterentwicklung von KI-generierten Ergebnissen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Nicht die Maschine, sondern die bewusste Auswahl, Veränderung und Überformung ihrer Ergebnisse bildet die Grundlage für Verantwortung, Qualität und rechtliche Einordnung.

Die Zukunft liegt im Kuratieren

Die Diskussionen des BIM-Salons zeichnen ein klares Bild für die Zukunft des Berufsstandes. Künstliche Intelligenz wird viele Arbeitsweisen verändern und zahlreiche Routinen vereinfachen. Sie wird Planenden ermöglichen, mehr Informationen zu verarbeiten, komplexere Fragestellungen zu untersuchen und fundiertere Entscheidungen zu treffen.

Architektur wird dadurch jedoch nicht automatisiert.

Je leistungsfähiger die Werkzeuge werden, desto wichtiger werden diejenigen, die sie kompetent einsetzen. Gefragt sind künftig weniger reine Anwender:innen von Technologie als vielmehr Persönlichkeiten, die technische Möglichkeiten, gesellschaftliche Anforderungen, Nachhaltigkeitsziele und gestalterische Qualität miteinander verbinden können.

Die Zukunft der Planung liegt deshalb nicht im Generieren von Entwürfen, sondern in deren fachkundiger Bewertung, Einordnung und Weiterentwicklung.

Oder anders formuliert: Nicht die KI entwirft die bessere Architektur. Gute Architektur entsteht dort, wo Menschen intelligente Werkzeuge verantwortungsvoll einsetzen.

Fotograf: Johannes Müller

Fotograf: Johannes Müller

Herzlichen Dank an die Referierenden Architekt und Stadtplaner Mauritz Lüps mitsamt den Studierenden der TU München und dem Rechtsreferendar Leopold Beer für die anregenden Impulse, an unser Moderationsteam von der ByAK, Marcus Ebert und Dr. Eric Mader, sowie an die zahlreichen Gäste für ihre Diskussions-Beiträge.

Wir sehen uns beim nächsten BIM-Salon!

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